Belagerungen der moslemischen Araber
Istanbul war seit Beginn der Kriegszüge der Moslems ein heiliges Ziel. Zuerst machten moslemische Araber und danach moslemische Türken Jahrhunderte lang Kriegszüge nach Istanbul; einige von ihnen belagerten sogar die Stadt. Die Sprichworte des islamischen Propheten Mohammet, in denen die Eroberung Konstantinopels erwähnt und der General, der die Stadt erobern würde, gelobt wird, waren die ausschlaggebenden Gründe für die Ausführung dieser Kriegszüge.
Der erste Kriegszug mit dem Ziel Istanbul wurde in der Khaliphatszeit des Khaliphen Osman durchgeführt. Der damalige Statthalter von Syrien Muaviye bereitete den ersten Meereskriegszug nach Istanbul vor. Dadurch, dass diese Flotte 655 die byzantinischen Seestreitkräfte an der Küste von Fenike zerstörte, wurde der Seeweg für die Moslems geöffnet.
Die erste Belagerung Istanbuls durch die Moslems fand 668 während der Epoche statt, in der Muaviye Khaliph der Omaijaden war. Obwohl das vor Kadıköy lagernde Heer die Belagerung bis zum Frühling 669 fortführte, konnte es die Stadt nicht erobern. Da das Heer große Verluste durch Seuchen erlitt, musste es zurückkehren. Ebu Eyyub El-Ensari, der der Fähnrich des Propheten gewesen war und trotz seines fortgeschrittenen Alters an dieser Belagerung teilnahm, fiel während der Belagerungsschlacht und wurde neben der Stadtmauer beerdigt. Die nach diesem Kriegszug von Muaviye 673 geschickte Flotte drang 674 in das Meer von Marmara ein. Jedoch blieb die 7 Jahre dauernde Belagerung erfolglos.
Die zwischen August - 7-16-September 717 unter der Führung von Mesleme bin Abdü’l-Melik durchgeführte Belagerung war ebenfalls erfolglos. Das vor Istanbul lagernde Heer musste auf der einen Seite wegen schlechte Wetterbedingungen, Hunger und Krankheiten und auf der anderen Seite durch die Angriffe von bulgarischen Banden schwere Verluste hinnehmen. Einigen Quellen zufolge ließ Kaiser Leon III. auf die Bitte von Mesleme hin ein Schlösschen in ein Gebetshaus umwandeln, damit die moslemischen Kriegsgefangenen beten konnten; außerdem zeigte er nach der Aufhebung der Belagerung Mesmele die Stadt.
Die letzte Belagerung durch die Araber fand zwischen 781-782 durch das Heer unter dem Abbasiden Sultan Harun, Sohn des el-Mehdi, statt. Harun besiegte das byzantinische Heer, drang bis nach Üsküdar vor und belagerte die Stadt. Die Belagerung wurde durch einen Vertrag mit Byzanz beendet. Harun er-Reşid, der später den Thron bestieg, hatte den Beinamen “Er-Reşid” während dieses Kriegszuges angenommen. Außer diesen Zügen fanden auch andere Kriegszüge der moslemischen Araber nach Istanbul statt. Jedoch endete keiner dieser späten Kriegszüge mit der Belagerung Istanbuls.
Die Belagerungen Istanbuls durch die Osmanen
Die osmanischen Türken zeigten während des gesamten 14. Jahrhunderts Interesse an Byzanz und an Istanbul. Lange vor der Eroberung selbst waren die gesamten Besiedlungsgebiete der heutigen Istanbul-Metropole, außer denen innerhalb der Stadtmauern, zu Grund und Boden der Osmanen geworden. Daneben mischten sich die Osmanen während dieses gesamten Zeitalters in die innenpolitischen Angelegenheiten ein und nahmen Partei in den Machtkämpfen von Byzanz. In der bis zur Eroberung andauernde Epoche führten sie in der Umgebung von Istanbul Manöver durch.
Auch wenn das osmanische Heer 1340 zu den Toren von Istanbul vorschritt, so konnte diese Operation nicht in eine Belagerung umgewandelt werden. Außerdem wurde der von Sultan Murad I. von Çatalca aus begonnenem Kriegszug durch das mit der christlichen Welt gemachte starke Bündnis gestoppt. Die erst starke Belagerung zur Eroberung Istanbuls wurde von Sultan Yıldırım Beyazıd durchgeführt. Durch den mit dem Kaiser gemachten Vertrag konnten die Heere von Yıldırım Beyazıd nicht in die Stadt eindringen.
Sultan Yıldırım Beyazıd übte auch hiernach seinen Einfluss auf Istanbul aus. Er sorgte dafür, dass innerhalb von Istanbul ein türkischer Stadtteil, eine Moschee und ein Gericht für die juristischen Angelegenheiten der Türken errichtet wurden. Er übte Einfluss auf die Thronersteigung der Kaiser aus, wobei er die osmanischen Interessen beachtete. Diese Tatsache ist eines der wichtigsten Faktoren, die die Eroberung Istanbuls beeinflussten. Der letzte Belagerungsversuch in der Epoche von Sultan Yıldırım Beyazıd fand 1400 statt. Jedoch führte die Besetzung durch Timur dazu, dass diese Operation abgebrochen wurde.
Auch die Belagerung durch Musa Çelebi, Sohn des Sultan Yıldırım Beyazıd, in 1411 blieb erfolglos. Der vor den Erfolgen des osmanischen Heeres zurückschreckende Kaiser beschaffte sich die Unterstützung von dem in Bursa befindlichen Çelebi Mehmed, dem Bruder Musa Çelebis, und sorgte für die Aufhebung der Belagerung. Während der Regierungszeit von Çelebi Mehmed, der später osmanischer Sultan wurde, wurden keine Kriegszüge nach Istanbul durchgeführt.
Die letzte Belagerung vor der Eroberung geschah während der Epoche von Sultan Murad II. Diese Belagerung, die sich auf eine lange Vorbereitungszeit und gesunde Strategie stützte, verlief viel schwerer ab als die vorherigen. Die Belagerung begann am 15 Juni 1422, indem 10 tausend Pioniere sämtliche Straßen, die Istanbul mit dem Land verbanden, abschnitten. Die Tatsache, dass auch Emir Sultan, die einflussreichste geistliche Autorität jener Zeit, mit hunderten von Derwischen aus Bursa kam und sich dem Heer anschloss, erhöhte die Begeisterung der Soldaten. Auch wenn der Angriff vom 24. August, an dem auch Emir Sultan teilnahm, sehr aggressiv verlief, so reichte dies nicht aus, die Stadt zu erobern. Diese Belagerung wurde mit der Revolte von Kronprinz Mustafa, dem Bruder von Sultan Murad II., aufgehoben. Nun ging die Eroberungsarbeit Istanbuls auf den Sohn von Sultan Murad über.
Istanbuls Eroberung
Vor der Eroberung hatte Byzanz seine Eigenschaft eines starken Reiches verloren. Das Reich bestand nur noch aus den Grenzen der Stadt Konstantinopel; außer Konstantinopel bestanden ihre Gebiete aus kleinen Städten wie die Silivri Festung, Vize und Misivri an der Küste des Meeres von Marmara. Hier wurde es ebenfalls rundherum von den Osmanen eingeschlossen. Die Tatsache, dass die kleinen byzantinischen Städte außerhalb der Stadtmauern nicht zu osmanischen Gebieten wurden, resultierte nicht von deren schweren Widerständen, sondern von der Tatsache, dass man diese Städte nicht ernst nahm und dass das erste Ziel Konstantinopel war. Ferner war der Grund für die letzen erfolglosen Belagerungen nicht das Heer, sondern vielmehr die innenpolitischen Konflikte der Osmanen.
Die Stärke von Byzanz war in dieser Zeit keine imperiale Stärke. Die byzantinischen Kaiser hatten sich außerdem den Osmanen unterworfen an es akzeptiert, jedes Jahr regelmäßige Abgaben zu zahlen. Aus der Sicht der Osmanen hatten sie es anstelle byzantinischer Kaiser mit kleinen Prinzentümern zu tun. Konstantinopel war mehr ein religiöses Zentrum als eine Reichshauptstadt. Dies war die letzte und stärkste Festung der christlichen Welt gegen die moslemischen Orden und durfte um keinen Preis verloren gehen. Aus diesem Grund wurden unter der Führung des Papstes neue Kreuzzüge organisiert.
In dieser Epoche war das wichtigste Problem von Byzanz, das unter den osmanischen Übergriffen und Belagerungen litt, die Tatsache, dass die Organisation in der christliche Welt in zwei Lager, nämlich in das Orthodoxentum und in den Katholizismus, aufgeteilt worden war. Diese Trennung des christlichen Europas bedeutete, dass Europa das orthodoxe Byzanz nicht ausreichend schützen konnte. Der Kaiser und der Patriarch, die ausweglos versuchten diese Aufteilung abzuschaffen, unterwarfen sich 1439 auf dem Konzil von Florenz der Katholischen Kirche. Die Griechisch-Orthodoxe Kirche unterwarf sich ebenfalls der Katholischen Kirche. Im Streit zwischen der Griechisch-Orthodoxe Kirche und der Katholischen Kirche begann die Epoche eines Bündnisses wider Willen. So wurde der seit Jahrhunderten andauernde Konflikt zwischen Orthodoxen und Katholiken durch den Druck der Osmanen, wenn auch nur kurzzeitig, eingefroren. Jedoch reagierte das Volk von Konstantinopel überhaupt nicht erfreut auf diesen Vertrag und die in der Hagia Sofia vollzogene Feierzeremonie begegneten vehementen Protesten des Volkes. Das byzantinische Volk wollte in Konstantinopel keine Europäer sehen und fürchtete, eine neue Latiner Epoche durchmachen zu müssen.
Das starke Kreuzritterheer, das nach der auf dem Konzil von Florenz erzielten Vereinigung, gegründet wurde, erreichte Rumelien 1443 und besetzte es 1444. Jedoch wurden die Kreuzritter durch den von den Osmanen 1444 errungenen Sieg von Varna gestoppt. Diese letzte Schlacht besiegelte das Schicksal Konstantinopels. Für das sich in Anatolien und Rumelien ausbreitende junge osmanische Reich wurde die Eroberung Konstantinopels zu einer unabdingbaren Notwendigkeit. Dieses fremde Element im Herzen des imperialen Gebiets musste beseitigt werden. Der Grund hierfür war die Tatsache, dass Anatolien und Rumelien nur durch die Eroberung von Konstantinopel wirklich miteinander verbunden werden konnten.
<Die Vorbereitungen zur Eroberung Konstantinopels begannen das Jahr zuvor. Die für die Belagerung nötigen sehr großen Kanonen wurden gegossen. 1452 wurde die Seefestung Rumeli gebaut, um den Bosporus zu kontrollieren. Eine aus 16 Galeeren bestehende starke Flotte wurde errichtet. Die Zahl der Soldaten wurde um das Zweifache erhöht. Um zu verhindern, dass Byzanz Hilfe erhält, wurden sämtliche Hilfswege unter Kontrolle gehalten. Es wurde dafür gesorgt, dass das sich in der Hand der Genueser befindende Galata während der Schlacht neutral blieb. Am 2. April 1453 erschienen die ersten osmanischen Pioniertruppen vor Istanbul. Damit begann die Belagerung.
Die Chronologie der Eroberung:
6. April 1453: Eroberer Sultan Mehmed’s Zelt wurde vor Konstantinopel, am St. Romanus Tor (heutiges Topkapı) aufgeschlagen. Am selben Tag wurde die Stadt vom Goldenen Horn bis ins Meer von Marmara eingekesselt.
6.-7. April 1453: Das erste Kanonenfeuer begann. Ein Teil der Stadtmauern in der Nähe von Edirnekapı wurden zerstört.
9. April 1453: Baltaoğlu Süleyman Bey machte den ersten Angriff, um ins Goldene Horn einzudringen.
9.-10. April 1453: Ein Teil der Stadtmauern am Bosporus wurden erobert. Baltaoğlu Süleyman Bey eroberte die Prinzeninseln.
11. April 1453: Der Beschuss der großen Stadtmauern begann. Hier und da öffneten sich Löcher. Die Schäden an der ständig beschossenen Stadtmauer erreichten wichtige Ausmaße.
12. April 1453: Die Flotte griff die das Goldene Horn schützenden Schiffe an, jedoch verdarb die Überlegenheit der christlichen Schiffe dem osmanischen Heer die Laune. Auf den Befehl des Eroberers Sultan Mehmed wurde begonnen, die Schiffe im Goldenen Horn mit Mörserkanonen zu beschießen und eine Galeere wurde versenkt.
Nacht vom 18. April 1453: Der Sultan gab den ersten großen Angriffsbefehl. Der vier Stunden dauernde Angriff wurde zurückgeschlagen.
20. April 1453: Es fand eine Seeschlacht zwischen vier Schiffen des Gegners, die aus drei mit Nahrung und Waffen beladenen päpstlichen Schiffen und einem byzantinischen Schiff bestanden, sowie der osmanischen Flotte vor Yenikapı statt. Der Sultan kam persönlich ans Ufer und gab Baltaoğlu Süleyman Pascha den Befehl diese Schiffe um jeden Preis zu versenken. Obwohl sie zahlenmäßig überlegen war, konnte die osmanische Flotte die größeren und höheren Schiffe des Feindes nicht hindern. Diese Niederlage bewirkte im osmanischen Heer eine Auflösung. Soldaten begannen das Heer zu verlassen. Hierauf schlug der Kaiser, der hieraus Nutzen ziehen wollte, einen Frieden vor. Mit der Unterstützung des Großwesirs Çandarlı Halil Pascha wurde dieser Vorschlag abgelehnt und die Belagerung sowie der Beschuss der Mauern mit Kanonen wurden fortgesetzt.
In dieser Auslösungsatmosphäre erhielt Eroberer Sultan Mehmed einen die Eroberung verkündenden Brief seines Scheichs und Lehrers Akşemseddin Hazretleri. Während Eroberer Sultan Mehmed auf der einen Seite unter dem Einfluss dieser geistlichen Unterstützung den Angriff verstärkte, führte er auf der anderen Seite neue Unternehmungen durch, die alle verwirrten. Die in Dolmabahçe anliegende Flotte sollte über Land ins Goldene Horn heruntergelassen werden!...
22. April 1453: In den frühen Morgenstunden sahen die Christen mit Verwunderung und Schrecken, wie Schiffe durch den unglaublichen Ehrgeiz vom Eroberer Sultan Mehmed über den Landweg auf dem Bergrücken des Goldenen Horns voranschritten. Ungefähr 70 von Ochsen gezogene Schiffe wurden von hunderten von Seemännern mit Tauen ausbalanciert und schritten auf Schlitten voran. Am Nachmittag waren die Schiffe im Goldenen Horn. Der unerwartete Anblick der türkischen Schiffe im Goldenen Horn hatte einen negativen Einfluss auf Byzanz. In der Zwischenzeit wurde die Verteidigung der Landstadtmauern geschwächt, da ein Teil der byzantinischen Streitkräfte begonnen hatte, die Mauern des Goldenen Horns zu verteidigen.
28. April 1453: Der Versuch, die Schiffe zu verbrennen, wurde durch starkes Kanonenfeuer verhindert. Zwischen Ayvansaray und Sütlüce wurde eine Brücke errichtet und von hier aus wurden die Mauern des Goldenen Horn unter Beschuss genommen. Sämtliche Mauern entlang des Meeres wurden belagert. Dem Kaiser wurde durch die Genueser vorgeschlagen, sich bedingungslos zu ergeben. Falls er sich ergeben sollte, könnte er an jeden von ihm gewählten Ort frei abziehen und das Leben sowie Hab und Gut der Bevölkerung würde sicher sein. Der Kaiser akzeptierte diesen Vorschlag nicht.
7. Mai 1453: Der 3 Stunden dauernde und mit 30 tausend Mann durchgeführte Angriff auf die Mauern über dem Bayrampaşa Fluss blieb erfolglos.
12. Mai 1453: Der große Angriff zwischen Tekfursarayı und Edirnekapı wurde zurückgeschlagen.
16. Mai 1453: Der vor Eğrikapı gegrabene Tunnel und der von den Byzantinern gegrabene Tunnel vereinten sich und es fand unter der Erde eine schwere Schlacht statt. Der am selben Tag auf die Kette des Goldenen Horns durchgeführte Angriff blieb ebenfalls erfolglos. Am nächsten Tag wurde erneut angegriffen, jedoch kein Erfolg erzielt.
18. Mai 1453: Mit einem hölzernen, beweglichen Turm begann ein Angriff aus Richtung Topkapı. Die schweren Kämpfe dauerten bis zum Abend an. Die Byzantiner verbrannten in der Nacht den Turm, entleerten die gefüllten Gräben. Am nächsten Tag wurde der Beschuss der Stadtmauern mit schwerem Kanonenfeuer fortgeführt.
25. Mai 1453: Eroberer Sultan Mehmed schlug dem Kaiser durch seinen Gesandten İsfendiyar Beyoğlu İsmail Bey ein letztes Mal vor, sich zu ergeben. Gemäß dieses Vorschlags könnte Kaiser mit all seinen Gütern und seiner Schatzkammer an einen von ihm gewählten Ort abziehen, diejenigen aus der Bevölkerung, die dies ebenfalls wünschten, könnten auch ihr Hab und Gut nehmen und auswandern, die zurückbleibenden sollten ihr Hab und Gut behalten. Auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt.
26. Mai 1453: Da die Gerüchte, dass die Belagerung sofort aufgehoben werden müsse, da sonst auch Ungarn auf der Seite von Byzanz eingreifen würde, und dass außerdem sich eine von den europäischen Staaten geschickte große Flotte nähern würde, zunahmen, rief der Eroberer Sultan Mehmed den Kriegsrat zusammen. Auf dieser Versammlung verlangten Çandarlı Halil Paşa, der von Anfang an gegen die Belagerung gewesen war, und seine Anhänger, die Aufhebung der Belagerung. Der Sultan und Persönlichkeiten wie sein Ziehherr Zağanos Pascha, sein Lehrer Akşemseddin, Molla Gürani und Molla Hüsrev wehrten sich vehement dagegen. Es wurde beschlossen, den Angriff fortzusetzen und Zağanos Pascha wurde beauftragt die Vorbereitungen zu treffen.
27. Mai 1453: Der Generalangriff wurde dem Heer mitgeteilt.
28. Mai 1453: Dem Heer wurde befohlen, sich für den am nächsten Tag stattfindenden Angriff vorzubereiten und sich dann auszuruhen. Im Heer herrschte absolute Stille. Eroberer Sultan Mehmed besuchte die Reihen und ermutigte die Soldaten. In Istanbul hingegen wurde ein religiöser Ritus abgehalten, der Kaiser rief in der Haigia Sofia alle zur Verteidigung auf. Dies war der letzte Ritus von Byzanz.
29. Mai 1453: Die Truppen ordneten sich für den Angriff. Eroberer Sultan Mehmed gab gegen Morgen den Angriffsbefehl. Während auf der Seite Konstantinopels die Soldaten die Kampfstellungen einnahmen, füllte das Volk die Kirchen. Das osmanische Heer begann unter Gottesausrufen und Trommelgeräuschen den letzten großen Angriff zu Land und zu Wasser. Den ersten Angriff machten die Leichtinfantristen, danach griffen die anatolischen Soldaten an. Nachdem die durch das Loch in der Mauer eingedrungenen 300 Soldaten gefallen waren, griffen die Janitscharen an; durch die Ermutigungen des Eroberers Sultan Mehmed, der zu ihnen gekommen war, begannen sie Brust an Brust zu kämpfen. Ulubatlı Hasan, der die erste türkische Fahne auf der Stadtmauer hochzog, fiel hier. Die byzantinische Verteidigung brach zusammen, als die Janitscharen durch das Belgradkapi Tor eindrangen und die letzten Widerstandskämpfer in Edirnekapi von hinten eingekreist wurden.
Folgen der Eroberung

Die Eroberung Istanbuls hatte hinsichtlich der Türken, des Islams und der Welt wichtige Folgen, die den Verlauf der Geschichte bestimmen sollten. Aus diesem Grunde glauben viele Historiker, dass das Mittelalter mit der Eroberung Istanbuls endete.
Mit der Eroberung stärkten die Osmanen zugleich ihre Überlegenheit gegenüber vielen in Anatolien gegründeten türkischen Fürstentümern. Aus diesem Grund ist die Eroberung Istanbuls ein wichtiger Faktor für das Erreichen der türkischen Einheit in Anatolien. Mit der Eroberung begann der Prozess, in dem die Osmanen nicht nur die Führerschaft der Türken in Anatolien, sondern der gesamten islamischen Welt übernahmen. Auf diese Weise sollte das osmanische Fürstentum zu einem Weltstaat werden.
Nach der Eroberung wurde der Islam unter der Führung der Osmanen zu einem der grundlegenden dynamischen Kräfte der Weltpolitik. In sämtlichen in jener Zeit erlebten internationalen Geschehnissen spielten die Moslems eine bedeutende Rolle.
Das europäische Christentum hatte nahezu drei Jahrhunderte lang versucht, den Islam aus der Fordere Asien durch die Kriegszüge zu vertreiben. In diesem Kampf hatte Istanbul die Funktion eines Vorpostens für die Kreuzritter. Nach der Eroberung Istanbuls wurde die Herrschaft des Islams im Fordere Asien vollständig von der christlichen Welt akzeptiert und kein neuer Versuch unternommen, dieses Land durch Kreuzzüge zurückzuerobern. Im Gegenteil, die islamische Religion sollte in das Innere von Europa eindringen. Die Eroberung Istanbuls ist für die Moslems der Anfangspunkt einer gegen Europa gewonnenen Überlegenheit, die lange Jahre andauern sollte.
Ein anderer Grund für die Wichtigkeit der Eroberung Istanbuls hinsichtlich der Weltgeschichte sind seine Konsequenzen für die Renaissance. Nach der Eroberung wanderten viele byzantinische Philosophen und Künstler vor allem nach Rom aus und nahmen sehr wertvolle Handschriften mit sich. Diese Personen spielten eine wichtige Rolle bei der Rückkehr zur klassischen griechischen Kultur und kurze Zeit später begann in Europa die Renaissance-Bewegung.
Der Eroberer Sultan Mehmed
Er ist der 7. Sultan, der zwischen 1432-1481 lebte. Er bestieg den Thron zwei Mal in 1444 und 1451 und regierte insgesamt einunddreißig Jahre. Kronprinz Mehmed, auf dessen Bildung von klein auf großen Wert gelegt wurde, wurde von führenden Gelehrten jener Zeit wie Molla Yegan, Akşemseddin, Molla Gürani und Molla Ayas erzogen. Gemäß der damaligen Traditionen wurde er zum Statthalter von Manisa gemacht, damit er Erfahrungen in der Staatregierung sammeln konnte.
Durch eine perfekte Erziehung genoss er Bildung in Mathematik, Geometrie, religiöses Kommentieren, Aussprüche des Propheten, Rechtswissenschaft, theologisches Studium sowie Geschichtswissenschaften. Um seine Untertanen in ihren Sprachen ansprechen zu können, lernte er Arabisch, Persisch, Lateinisch, Griechisch und Serbisch. Er wuchs heran als ein starker Soldat und ein weitsichtiger Philosoph. Der Eroberer, der sich mit Literatur beschäftigte, nahm seien Platz unter den Meistern der Dichtung ein und schrieb unter dem Pseudonym “Avni” wertvolle Gedichte. Die im Serail verfasste erste Gedichtsammlung stammt vom Eroberer.
Eroberer Sultan Mehmed wurde während seiner Statthalterschaft von Manisa zum Sultan ausgerufen, als sein Vater Sultan Murad II. beschloss, vom Thron abzusteigen. Die europäischen Staaten, die durch die Tatsache, dass auf dem Thorn ein Sultan im Kindesalter saß, ermutigt wurden, begannen die osmanischen Gebiete anzugreifen. Sie bereiteten ein großes Kreuzritterheer vor, um die Osmanen aus Europa zu vertreiben. Hierauf übernahm Sultan Murad II. des Heeres und besiegte in der Feldschlacht von Varna das Kreuzritterheer. Nach dieser Schlacht übernahm Sultan Murad II. erneut die Führung des Staates. Eroberer Sultan Mehmed wurde nach Manisa geschickt. Er setzte seine Bildung durch die wichtigsten Gelehrten der Epoche auch in seiner zweiten Kronprinzzeit fort.
Nach dem Tod von Sultan Murad II. kam Eroberer Sultan Mehmed in die Hauptstadt Edirne und bestieg zum zweiten Mal den Thron. Nach der Thronbesteigung war seine erste Handlung, die Umsetzung seiner Pläne zur Eroberung Istanbuls, die er seit seiner Kronprinzenzeit machte. Zuerst ließ er gegenüber der Anadolu Festung die Rumeli Festung errichten. Nebenbei ließ er von ihm selbst entworfene Kanonen in einer in Europa noch nie gesehenen Größe gießen und gründete eine Flotte. Am Angriffstag übernahm er die direkte Befehlsgewalt.
Nach der Eroberung Istanbuls versuchte er die Gebiete bis zur Donau zu beherrschen und das serbische Problem zu lösen. Er sorgte dafür, das Serbien unter osmanische Herrschaft kam. Er setzte seine Eroberungszüge fort und eroberte den Handelshafen Kele der Genueser und Asmasra, das wichtiger Stützpunkt war. Danach eroberte er Sinop und zerstörte das Fürstentum Candaroğulları; außerdem eroberte er Trabzon und zerstörte den Pontus Staat. Er fügte die Insel Midilli dem osmanischen Reich hinzu. Er vollendete die Eroberung von Bosnien-Herzegowina. Er vereinte die Gebiete südlich der Donau unter osmanischer Herrschaft. Er eroberte Konya von den Karamanen und gründete die Provinz Karaman. Er nahm den Veneziern die Insel Eğriboz. Außerdem zerstörte er die Herrschaft der Alaiye (Alanya) Fürsten. Er besiegte Uzun Hasan, den Herrscher der Akkoyunlu, in der Schlacht von Otlukbeli und stellte Anatolien unter absolute osmanische Herrschaft. Später wandte er sich nach Westen und eroberte einige genuesische Festungen und stellte das Krim Khanat unter osmanische Herrschaft. Er eroberte Albanien. Otranto in Süditalien kam unter osmanische Herrschaft. Hierauf geriet der Papst in große Panik. Er rief die europäischen Staaten zu einem neuen Kreuzzug auf. Jedoch trauten sich die europäischen Staaten nicht.
Eroberer Sultan Mehmed starb im Frühjahr 1481 in der Nähe von Gebze während eines neuen Kriegszuges. Einigen Forschern zufolge wurde er vergiftet.
Eroberer Sultan Mehmed als Staatsmann und Wissenschaftler

Eroberer Sultan Mehmed, der eine selten anzutreffende, sehr intensive Bildung genoss, wurde schon im Kindesalter zum Staatsmann erzogen. Er besaß überlegene Befehlshabereigenschaften. Er nutzte sein sehr gut organisiertes Heer ausgezeichnet in Kämpfen. Er informierte sogar seine nächsten Verwandten nicht über seine bevorstehenden Kriegszüge und legte größten Wert darauf, dass diese geheim blieben. Er war der erste Sultan, der den Kanonen die nötige Beachtung schenkte. Vor dem Eroberer wurde die Kanone in der ganzen Welt zur akustischen Abschreckung des Feindes verwendet. Man konnte sich nicht ausdenken, dass sie große Festungen zerstören und in Feldschlachten eine wichtige Rolle spielen könnte. Der Eroberer
bedachte all diese Möglichkeiten und ließ Kanonen in einer zuvor nie gesehenen Zahl und Größe bauen. Er führte die Ballistik-und Widerstandsrechnungen der Kanonen persönlich durch.
Er glaubte von Herzen an die Gründung eines Weltstaates. Um dieses Ideal zu erreichen, verbrachte er sein Leben mit Eroberungen. Während seiner 32 Jahre dauernde Herrschaft eroberte er die Gebiete von 17 kleinen und großen Staaten, unter denen sich zwei Kaiserreiche, sechs Fürstentümer, fünf Herzogtümer befanden. Er machte das Schwarze Meer zu einem türkischen Meer, eroberte die gesamte Balkan-Halbinsel und gewann einige Insel in der Ägäis. Er vergrößerte das Gebiet der Osmanen, das er von seinem Vater Sultan Murad II. erhalten hatte, um das 2,5-Fache.
Eroberer Sultan Mehmed spielte sowohl mit seinen Eroberungen als auch mit seinen Verordnungen, die er machte, um dem Staat seine geordnete und dauernde Struktur zu verleihen, eine bedeutende Rolle in der osmanischen Geschichte. Mit seiner Kanunname (Gesetzgebung) führte der Eroberer Regeln für die Verwaltungs-, Finanz- und Rechtsressourcen ein und ordnete so die Funktion des Staates. Als ein weitsichtiger und offen denkender Sultan leistete er auch für die Entwicklung von Kunst und Kultur Pionierarbeit. Er zeigte den Menschen hinsichtlich ihres Glaubens eine zuvor noch nie gesehene Toleranz. Nach der Eroberung Istanbuls lud er italienische Humanisten und griechische Wissenschaftler in seinen Palast ein. Er wurde zum einzigen und größten Beschützer des Orthodoxentums. Der Patriarch wurde gemäß dem osmanischen Protokoll dem Rank des Wesirs gleichgesetzt. Er ließ Patriarch Patrik Gennadios II. ein Werk über die Grundprinzipien des christlichen Glaubens verfassen und ins Osmanische übersetzen.
Die acht Koranschulen, die er um die Fatih Moschee herum bauen ließ, waren ein Jahrhundert lang die wichtigste Bildungsstätte des Reiches auf dem Gebiet der islamischen Wissenschaften. Er versammelte von Zeit zu Zeit die als “Ulema” bezeichneten islamischen Theologen um sich herum und hörte sich ihre Diskussionen an. Er zeigte sich den Gelehrten sehr nahe und behandelte sie mit Respekt. Während der Herrschaft des Eroberers erreichte das Osmanische Reich Höhepunkte auf den Gebieten der Mathematik, Astronomie und Theologie.