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Texte zur Geschichte vor der Eroberung

ISTANBUL VOR DER EROBERUNG gemäß einiger islamischer Autoren

Prof. Dr. Semavi Eyice

(Istanbul Forschungen, Band 2, Saite: 7. Oberbürgermeisteramt Istanbul, Abteilung für Kultus, Istanbul Forschungszentrum Publikation.)

Im Rahmen des 1996 in Istanbul veranstalteten Habitat II Treffens sollten auch zwei große Bücher veröffentlicht werden. Für das erste dieser Bücher verlangte man von mir, einen Artikel über Fremde, die Istanbul vor der Eroberung gesehen hatten, und ihre Erinnerungen zu schreiben. Meine diesbezügliche Arbeit beschäftigte mich im Winter  1995-96. Als der Text, den ich vorbereitete, indem ich die originalen oder übersetzten Werke von während des gesamten Mittelalters aus verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Gründen gekommener Autoren durcharbeitete, fertig war, wurde erkenntlich dass er sehr umfangreich war. Hierauf wurde auf den ganzen Text verzichtet, und beschlossen, nur einen Teil im Habitat II Buch  zu veröffentlichen. So formte ich drei Erinnerungen an die Stadt von westeuropäischen Kreuzrittern, die am 4. Kreuzzug 1203-1204 teilnahmen in einen einzigen Artikel um. Man wollte den gesamten Text als Buch drucken.

Jedoch wurde dies damals nicht verwirklicht. Falls eine Arbeit darüber, wie Fremde während des Mittelalters Istanbul sahen als Buch veröffentlicht wurde, mussten die in einem Artikel zu vernachlässigenden Mängel beseitigt werden. Unter diesen sollten auch die Untersuchung einiger in Istanbul unauffindbarer Veröffentlichungen  und das Einfügen der Schriften von den kurz im Artikel genannten Reisenden, Erklärungen durch viele Fußnoten und, soweit möglich, alte  Miniaturen und Designs sowie die Darstellungen durch nach den Werken geschaffenen Bilder von Nutzen sein. Gemäß diesem Programm hielt ich es für nützlich, den zuvor von mir vorbereiteten Text noch einmal durchzugehen; und ich überließ den Druck des Buches mit der Hoffnung, dass es nicht lange dauert, der Zukunft. Dieses in den Istanbul Forschungen von mir repräsentierte Buch “Istanbul vor der Eroberung gemäß einiger islamischer Autoren”  ist ein kleiner Teil jener umfangreichen Arbeiten. Die Schriften der Reisenden, die im X-XV. Jahrhunderte Istanbul sahen und über die Informationen, die sie von anderen Reisenden sammelten, sind hier eindrucksvoll zusammengefasst. Es wäre besser gewesen, die gegebenen Texte aus ihren originalen Texten übersetzt wiederzugeben. Da wir jedoch diese Sprachen nicht kennen und unsere Arbeit nicht die Vorbereitung eines kritischen Textes war  (edition critique), sahen wir es als genügend an, die Übersetzungen der Texte dieser Autoren in den europäischen Sprachen zu verwenden. Außerdem haben wir es vermieden, Bibliographiereferenzen zu den kurz beschriebenen Personen, die Istanbul in byzantinischer Zeit beschreiben und zu den von diesen Autoren gesehenen und beschriebenen Werken zu machen, da sonst das Ausmaß unseres Artikels zunehmen würde.

Wenn man die Werke früherer Reisender liest, stellt sich folgende Frage: Haben die Reisenden die von ihnen beschriebenen Orte wirklich gesehen? Diese Frage kann sowohl für arabische Reisende und Geographe, als auch für spätere Reisende gestellt werden. Die Zweifel gelten auch für einige westliche Autoren von Reisebeschreibungen. Wir werden hier von einigen Islam Autoren gegebene Information geben, ohne auf das obige Thema einzugehen und die Gründe dafür zu finden.

Die wichtigsten Autoren

Harun İbn Yahya (Ende des IX. Jahrhunderts oder 912-913)

Der erste der Araber, die Istanbul in byzantinischer Zeit sahen und beschrieben, war Harun İbn Yahya im  IX. Jahrhundert. Die Erinnerungen Haruns, der in diese Stadt als Kriegsgefangener kam, wurden in  Ahmed İbn Rüstehs Geographiebuch Kitabü’l-Alak al-Nâfisa eingefügt. Er kam mit dem schiff, auf das er von der heute innerhalb der Grenzen Israels befindliche Hafenstadt Aşkelon (Askalon) verfrachtet wurde, nach Antalya; von hier kam er über „Berge, Täler und bebaute Felder“ innerhalb von drei Tagen in eine „sehr große  und sehr stark bevölkerte“ Stadt Namens Nikiya.

Einigen zufolge ist dies Konya (İkonion), anderen zufolge ist es İznik (Nikaia). Da jedoch Harun von hier zu Pferde wieder in drei Tagen in das auf einer Ebenen befindliche Sankarah kommt, kann Nikaia nicht İznik sein. Von hier erreichte er in zwei Tagen zu Fuß die Küste und ein Segelschiff brachte ihn nach Istanbul.

Einigen Forschern zufolge kam Harun in der Zeit von Kaiser Basileios I. (867-886), anderen zufolge während der kurzen Regierungszeit von Kaiser  Alexandiros (912-913) im Winter 912-913 in die byzantinischer Hauptstadt und verließ sie im Frühling 913.

Obwohl Harun als Kriegsgefangener hierher gebracht worden war, fand er die Möglichkeit sich frei zu bewegen. Es wird angenommen, dass er diese Freiheit erhielt, weil er Christ war oder nach seiner Gefangennahme zum Christentum wechselte.

Dem arabischen Gefangenen zufolge ist Konstantinopel, das seiner Annahme nach sehr groß ist, im Osten vom Meer umgeben. Im Westen erstreckt sich eine leere Ebene. Das nach Rom führende Tor der sie umgebenden Mauern ist aus Gold. Aus diesem Grund wird dieses Tor als Goldenes Tor bezeichnet. Über ihr befinden sich die Statuen von vier Elefanten und einer Person, die ihre Zügel hält. Ein anderes als Bigas bezeichnetes Tor, dessen Flügel aus Eisen sind, wird vom Kaiser zu reisezwecken genutzt. Dies muss die Pighi Tür sein (Silivri Tor).

Harun erwähnt hiernach das in der Mitte der Stadt befindliche Hippodrom, das sich neben der Kirche und dem Palast befindet. „Hier befinden sich Statuen aus Bronze in form von Pferden, Menschen, wilden Tieren, Löwen... .” Der arabische Gefangene erzählt außerdem, dass die beiden Rennwagen, die aus der westlichen Tür kamen, mit jeweils vier Pferden bespannt waren und zwei Rennfahrer hatten, die in mit goldenem Saumen bestickter Kleidung auftraten, die in der Mitte befindlichen Statuen  dreimal umkreisend um die Wette liefen.

Nachdem Harun „Der gesamte Große Palast ist von einer Mauer umgeben. Eine Seite befindet sich am Ufer. Diese Wand hat drei Tore mit Eisenflügeln” gesagt hat, gibt er die Namen dieser Tore an und beschreibt die Innenausstattungen und die hier aufgestellten Waechter, unter denen sich auch Kaspen befinden. Neben dem Tor befindet sich die Kaiserkirche. Und daneben sieht man die Eingänge der vier nur für Moslems eingerichteten Gefängnisse. Harun bezeichnet die Kathisma, d.h. Loge des Kaisers, als el-maksura und erwähnt, dass diese mit Perlen und Rubinen (!) beschmückt ist und dass auch die Kissen, auf die sich der Kaiser lehnt, ebenfalls mit solchen  wertvollen steinen geschmückt sind.

Den Erzählungen Haruns zufolge befand sich im Garten neben der am Palasteingang befindlichen Kirche eine Zisterne. An religiösen Feiertagen wurden in diese Zisterne 10 tausend Krüge  Wein und ein Krug Honig geschüttet, einer Kamellast gleiche  Masse angebracht und die dem Kaiser Folgenden tranken den aus den Mündern und Ohren der Statuen tretenden Wein.

Harun sagt, dass sich im großen, zweihundert Schritte langen und fünfzig Schritte breiten Zeremoniensaal, der mit grünem Marmor bekleidet war, dessen Wände mit Mosaiken beschmückt waren, jede Seite vierhundert Schritte maß und den man über einen Ehrengarten erreichte, drei Tische befanden, von denen der mittlere aus Gold war und dem Kaiser gehörte. Hier wurden den Moslems zu Ehren Festmähler gegeben. Harun gibt Einzelheiten über die während der Festmähler gebrachte el-urkana, d.h. die Orgel, und über ihre Funktion. Solche Festmähler wurden während der zwölf Feiertage bis zum Epiphaneia Feiertag am 6. Januar abgehalten. Wiederum nach Harun gab der Kaiser jedem moslemischen Gefangenen zwei Dinare und drei Dirhem, als er den Saal am Ende der Feiertage verließ.

Der arabische Gefangene beschreibt nach seinen Erinnerungen die Besuchszeremonie des Kaisers in der Hagia Sofia sehr ausführlich. Der hier auffallende Punkt ist die Tatsache, dass sich unter den Zeremoniegarden auch zahlreiche junge Türken und Kaspen befinden, die Speere und vergoldete Schilder in ihren Händen halten und  mit bestückten Rüstungen bekleidet sind. Ein anderer wichtiger Punkt auf den Harun hinweist, ist die Tatsache, dass drei sehr gut gewachsene, mit wertvollen Steinen geschmückte Schimmel in die Hagia Sofia  gebracht werden. Falls hier das Pferd seine an der Wand befestigten Zügel in den Mund nimmt, rufen all dort befindlichen Personen „Wir haben im islamischen Land einen Sieg errungen“. Jedoch näherte sich das Pferd manchmal den Zügeln, roch daran und kehrte sich dann ab!.

Harun gibt einige Informationen, die wichtig für die historische Topographie der Stadt sein können. Das erste davon ist ein in der Nähe der Kirche befindliches rechteckiges Grab aus Marmor und eine darauf befindliche Statue aus Bronze des Kaisers zu Pferde, der die Kirche gründete. Der Kaiser trägt auf dem Kopf eine mit Perlen und Rubinen geschmückte goldene Krone. Seine rechte Hand ist erhoben, als ob er die Menschen nach Istanbul rufen würde. So wird verständlich, dass der arabische Gefangene die bis Ende des XV.Jahrhunderts an ihrem Platz verweilende und als Denkmal des Justinianus bezeichnete Statue zu Pferde gesehen hat; es wurde von P. W. Lehmann später nachgewiesen, dass diese Statue  in Wirklichkeit Theodosius darstellte.

Harun hat ebenfalls das neben dem Westtor der Hagia Sofia befindliche Horoglion gesehen. Jede der hierauf befindlichen vierundzwanzig Türen begrüßen eine Stunde des Tages. Harun erwähnt die neben dem Palasttor befindlichen drei bronzenen Pferdestatuen. Diese Pferde (in Wirklichkeit vier), von denen man sagt, dass sie einen Talisman bergen, befanden sich vorher im Hippodrom und wurden später neben die Hagia Sofia gebracht und 1204 von den Kreuzrittern während der Besetzung und Plünderung der Stadt nach Venedig verschleppt. Heute befinden sie sich an der Frontfassade der St. Markus Kirche.

Harun sagt, dass das Wasser, das aus einem Land namens Bulgarien von einer Entfernung von zwanzig Tagen gebracht wird, in der Stadt einen Aquädukt durchläuft und dass ein Arm in den Palast und ein anderer Arm in das Gefängnis der Moslems führt, dass ein dritter Arm in Richtung der Patris Bads verläuft und dass das Volk dieses etwas salzige Wasser Trinkt. Der Gefangene nennt ein Kloster Namens Satra, das sich in der Nähe eines der Stadttore befindet und fünfhundert Menschen beherbergt. Es wird angenommen, dass dies das sich gleich an der Innenseite des Goldenen Tors in Yedikule befindende sehr große, 461 gegründete Studios Kloster ist, dessen Kirche nach der Eroberung in die İmrahor İlyas Bey Moschee umgewandelt wurde. Es ist unmöglich, festzustellen, welche die übrigen Kloster außerhalb der Stadt und die entfernt liegenden Klöster sind.2

Mesudi (X. Jhr.)

Der Bagdader Ebu’l Hasan b. El-Hüseyin Mesudi, der im X.Jhr. lebte, bewanderte ab 912 viele Orte der damaligen Welt, schrieb viele Werke und starb ungefähr 956 in Kairo. In seinem berühmten Werk, dessen Titel soviel wie Goldene Wiesen bedeutet, gibt er an, dass das von ihm als Nitas bezeichnete Meer vom Schwarzen Meer in das Griechische Meer (Mittelmeer) über einen annähernd 350 Meilen langen Kanal (Bosporus) fließt. Beide Ufer diese Kanals sind der Länge nach mit Häusern bedeckt. Die Stadt befindet sich an der Westküste und gehört zu den westlichen Gebieten. Konstantin hat die Stadt gegründet und ihr seinen Namen gegeben. Am Eingang des Bosporus befindet sich eine den Griechen gehörende Stadt mit Namen Mosnat (?). Von hier werden die Übergriffe der Russen und anderer Völker kontrolliert. Berge und ausgesuchte Wasseequellen sind zu finden. Einer dieser Quellen wurde der Name des Generals Mesleme b. Abdülmelik gegeben, da die moslemischen Schiffe, die zur Belagerung von Byzanz kamen, hier hielten.

Die Wasser des Kanals umgeben Konstantinopel beidseitig vom Osten und Norden her. Die westliche Küste der Stadt ist mit dem Kontinent verbunden. Das mit Türen aus Bronze geschmückte Goldene Tor befindet sich auf dieser Seite. Diese Seite der Stadt ist durch mehrere Mauern und einer Festung geschützt. Der höchste Bereich der Westwand beträgt dreißig Ellen, der niedrigste Bereich annähernd zehn Ellen.

Die sich entlang des Kanals hinziehenden Ufer sind mit einer einfachen Mauer umgeben, auf der sich in Abständen zahlreiche Festungen und Türme befinden. Die Stadt hat sowohl auf der Landesseite als auch auf der Meeresseite viele Tore. Jedoch ist dies eine Stadt und ihre Luft ist sehr veränderlich und da sie auf beiden Seiten an das Meer angrenzt, ist sie ständig feucht3.

Hassan Ali el-Herevî (XII.Jhr.)

Im XII. Jahrhundert machte Hassan Ali el-Herevî eine lange Reise nach Syrien, Irak, Mesopotamien, Iran, Byzanz, Jemen, Hedschas, Ägypten und zu den Ägäischen Inseln, hielt in Byzanz und verweilte hier einige Zeit. Zu dieser Zeit regierte Kaiser Manuel Komnenos (1143-1180). Dieser arabische Reisende, der 1215 in Aleppo starb, wollte die Bauten und Monumente, die er während seiner langen Reisen sah, in seinem als Buch der Wunder bezeichneten Werk beschreiben. Jedoch konnte dieses Buch bis heute nicht aufgefunden werden. Hingegen berichtet er in seinem anderen Werk, dass ein Pilgerführer ist und bis heute erhalten blieb, kurz vom Istanbul des XII. Jahrhunderts:

„Außerhalb der Stadtmauern befindet sich das Grab von Ebu Eyyub el-Ensari, dem Verwandten des Propheten Muhammet. Die von Mesleme, dem Sohn des Abdülmelik, errichtete große Moschee befindet sich in der Stadt. Hier findet man ein Grab eines Mannes, der vom Sohn des Hüseyin, Sohn des Ali, Sohn des Ebu Talib abstammt. In Konstantinopel wecken Statuen, Säulen, wundervolle Talismane, Obelisken aus Bronze und Marmor sowie andere Bauten, von denen man keine in moslemischen Ländern  findet, Verwunderung. Der Name der großen Kirche hier ist Hagia Sofia. Der Sage nach wird dieser Ort von einem Engel bewacht und der Platz an dem er steht, ist von einem goldenen Käfig umgeben. el-Herevî sagt: „Ich werde die diesbezügliche Sage erzählen, wenn sie an der Reihe ist“. Außerdem werde ich ausführlich über die architektonische Ordnung, den Plan dieser Kirche, ihren Toren, ihre Länge und Breite erzählen. Ich werde all die Wunder in dieser Stadt, alle Paläste, das Goldene Tor, die Türme, das Marmor, die großen bronzenen Pferde, die einzigartigen Werke aus antiker Zeit und die Statuen im Hippodrom  einzeln beschreiben. All diese Einzelheiten werden im Buch der Wunder beschrieben werden, wenn Gott es will... Konstantinopel ist eine große Stadt, die ihren Ruf bei Weitem überschreitet. Möge Gott sie durch seiner Güte und Gnade zum Zentrum des Islams machen.”

Während die von El-Herevî über Istanbul gegebenen Informationen so wenig sind, spricht er herablassend über die Reste des berühmten Pharos Leuchtturms in Alexandria und weist darauf hin, dass die „… eigentlichen  verwunderlichen Säulen die in Istanbul sind...”. Ein in der Pferdearena, in der Pferderennen veranstaltet werden, befindliches Denkmal neigt sich gemäß der Richtung, aus der der Wind weht, d.h. nach Osten, Westen, Norden oder Süden. Hier befindet sich auch ein Denkmal, dass man nicht betreten kann. In der Nähe des Krankenhauses befindet sich ein drittes Denkmal, dessen Dach ganz mit Bronze verkleidet ist. Dies ist das Grabmal von Konstantin. Darauf befindet sich die Statue des Herrschers zu Pferde. Die Füße des Pferdes sind durch Blei fest mit dem Stein verbunden; nur der rechte Fuß ist gehoben, als ob er einen Schritt nach vorne macht. Die Innenfläche der rechten Hand von Konstantin ist geöffnet und in Richtung Himmel gestreckt. So weist er auf das islamische Land hin. In seiner linken Hand hält er einen Globus. Seefahrer können dieses Denkmal in einer Entfernung von einer Tagesreise vom Meer aus sehen(!).

Die dieses Denkmal betreffenden Ansichten sind verschieden. Einigen zufolge ist der Globus ein Talisman, der verhindert, dass Christen in das islamische Land eindringen, oder der verhindert, dass die Moslems die christlichen Länder besetzen. Anderen zufolge befindet sich auf dem Globus ein Inschrift mit folgender Bedeutung: „Ich habe diese Welt besessen und sie wie diesen Globus in der Hand gehalten, jedoch habe ich mich von ihr getrennt, ohne etwas mitnehmen zu können.”

In der İstoborin (d.h.eis ton phoron) genannten Stadt befindet sich ein Denkmal, auf dem sich mit perfekter Handwerklichkeit gearbeitet Menschenreliefs befinden. Es ist mit einem massiven Geländer umgeben und man glaubt, dass dies ein Talisman ist. Wenn man die Spitze dieses Denkmals besteigt, hat man einen die gesamte Stadt umfassenden Ausblick. Im Buch der Wunder werde ich eine Zeichnung dieses Denkmals machen, seine Höhe und seinen Umkreis angeben und die Anzahl der zu besteigenden Treppen angeben. Außerdem werde ich von dem Respekt erzählen, den das Volk der Stadt diesem Denkmal und den darauf befindlichen Reliefs zeigt. Ich werde von den verschiedenen Sagen über die Statuen aus Bronze und Marmor, von den sich nach allen vier Richtungen drehenden Talismanen, von der Engelsbekleidung, vom dem ‘çımgın’ Kreuz und der damit verbundenen Sage erzählen. Dieses Kreuz ist in der Gebetsrichtung der Moslems aufgestellt. Ich werde auch die Krankenhäuser in der Stadt und die auf einem Platz befindlichen Statuen beschreiben. Alle Einzelheiten werden im Buch der Wunder zu finden sein.”

Einige der von El-Herevî gegebenen Informationen befinden sich auch in dem als Cosmographia betitelten Buch von dem als el-Kazvinî bekannten Zekeriya İbn Muhammed (ca.1203-1283) und wurden auch im Geographiewörterbuch von Yakut wiederholt. Kazvinî spricht von einer Uhr mit zwölf kleinen Fenstern, die sich zu jeder vollen Stunde öffnen und aus denen Marionetten hervortreten. Dies muss das sich im Nartex Bereich der Hagia Sofia erhebende Horoglion sein. Wieder nach Kazvinî befindet sich in der Nähe des Eingangs vom Großen Palast ein Talisman in Form von bronzenen Pferden. Diese Statue wurde von Apollonius errichtet, um zu verhindern, dass Pferde in der Stadt vor der Tür des Kaisers Geräusche machen und wiehern

İdrisî (1120-1140)

Einer der arabischen Geographieautoren ist der als İdrisî bekannte Ebu Abdullah Muhammed b. Muhammed (1100-1165-66); er begann seine Reise von Septe (Ceuta) aus, bereiste viele Orte und hinterließ ein Werk mit dem Titel Kitâbü’n-Nüzhetü’l-Müştâk fî İhtiraki’l Âfâk.

İdrisî, der ab 1145 in Sizilien bei dem Normannenkönig Ruggerio im Palast von  Palermo lebte, schrieb hier sein 1154 beendetes Buch. Der Autor, der in sehr jungen Jahren Anatolien bereist und von dem wir nicht genau wissen, on er nach Konstantinopel kam, gibt einige Informationen über diese Stadt. Es finden sich keine Hinweise darauf, ob dies seine eigenen Eindrücke oder die von anderen Autoren übernommenen Ansichten sind.

Der arabische Geograph, der die Abstände zwischen den Kleinstädten in Thrazien angibt, geht nach Rodostu (Rodosto=Tekirdağ), Iraklia (Ereğli), Selimiria (Silivri), Bature (Athyra=Büyükçekmece),Reo (Rhegion=Küçükçekmece) zur kurzen Beschreibung von Konstantinopel über.

„Beide Seiten dieser auf einer dreieckigen Insel errichteten Hauptstadt  sind vom Meer umgeben auf der ländlichen dritten Seite befindet sich das Goldene Tor. Die gesamte Länge der Stadt beträgt 9 Meilen. Sie ist mit einer einundzwanzig (10.50) hohen und einer von zehn (5 m) hohen vorderen Mauer eingekreisten sehr starken Befestigung sowohl vom Meer als auch vom Land her umgeben. Zwischen der äußeren Mauer und dem Meer befindet sich ein Turm in der Höhe von ca. 50 (25m). Die Mauer der Stadt besitzt ungefähr 100 Tore. Das wichtigste Tor ist das Goldene Tor, dessen Flügel aus vergoldeten Eisenplatten bestehen. İdrisî, der betont, dass er im ganzen römischen Land keine andere von der Größe her vergleichbare Stadt kennt, beschreibt hier kurz den Kaiserpalast.

„Der Palast ist berühmt für seine Höhe, die Breite, die er einnimmt, und die darin befindlichen Bauten. Das Hippodrom (Bedrun), an dem man auf dem Weg zum Palast vorbeikommt, ist die verwunderlichste Wettkampfarena der Welt. Auf dem Weg schreitet man zwischen Menschen-, Pferde, Löwenstatuen, die so wirklichkeitsnah sind, dass die größten Meister der Bildhauerei neidisch werden könnten. All diese Statuen sind natürlich grösser als die wirklichen Maße. Im Palast befinden sich viele sehr interessante Kunstwerke.5

İbn Batuta (1334)

İbn Batuta, der die wichtigsten Länder des Mittelalters bereiste, kam im XIV. Jahrhundert von Bahrain in Oman nach Syrien und reiste von hier über den Seeweg nach Alaiyye. İbn Batuta, der Anatolien von einem Ende bis zum anderen durchquerte, setzte von Sinop nach der Krim über; als die schwangere byzantinische Genahlin des Kıpçak Khans nach Istanbul gehen wollte, um dort zu gebären, schloss er sich ihrer umfangreichen Gesandtschaft an. Es wird angenommen, dass diese Reise im Sommer 1334 gemacht wurde. Jedoch befinden sich hinsichtlich dieses Datums in der Chronologie von İbn Batuta zu lösende Probleme. In dieser sehr grossen Gesandtschaft, die aus ca. fünfhundert Reitern, ca. zweihundert zumeist griechisch abstämmigen Sklavinnen, ca. vier hundert Ladewagen, zweitausend Pferden, ca. dreihundert die Wagen ziehenden Ochsen und zweihundert Kamelen bestand, befanden sich „zehn Zimmerdiener griechischer und indischer  Herkunft unter dem Befehl der Hatun“. An der byzantinischen Grenze trennt sich ein Teil dieser Gesandtschaft, die private Kapelle, in der  die Hatun betet, wird hier gelassen, nachdem sie die Grenze überschritten hat, werden ihr Wein und Schweinefleisch gebracht. Um sie herum betete nur ein Türke zusammen mit İbn Batuta gemäß den islamischen Regeln. Als sie die Stadt betraten, war eine feindlich Atmosphäre gegen die Moslems  zu spüren; jedoch wurden die Byzantiner auf den Befehl der Hatun hin gezwungen, freundlicher zu sein. So wurde ein Diener, der über die Gebetsrituale der Moslems spottete, bestraft. Die Prinzessin wird außerhalb der Stadt wundervoll begrüßt. Als sie die Stadt betreten, läuten die Glocken, dass „der Himmel tönt“. Sie werden von ca. hundert Wächtern am Tor des Palastes begrüßt. Als jedoch das Volk die „Moslems“ bedeutenden Worte „Sarazenen, Sarazenen“ ausruft, will man sie nicht einlassen. In dieser Zeit befindet sich Andronikos Palaiologos III. (1328-1341) auf dem byzantinischen Thron. İbn Batuta, der nachdem er vier Tore durchschritten hat, im Palast schwer kontrolliert wird, wird nach der fünften Tür in einem großen Saal vor den Kaiser geführt, indem seine Arme und Röcke von vier Wächtern festgehalten werden.

Dies ist ein großer Saal, dessen Wände mit aus Naturbildern bestehenden Mosaiken geschmückt sind. In der Mitte des Saals befindet sich ein Bach, auf dessen beiden Seiten Bäume stehen(?). Der Thron des Kaisers befindet sich unter dieser Überdachung. Vor ihm stehen die Mutter der Hatun, die Kaiserin und ihre Geschwister. Nach der zwischen ihnen stattfindenden Besprechung ermöglicht es der Kaiser, dass er die Stadt problemlos besichtigen kann.
Die Stadt ist sehr groß und wird durch einen  Fluss geteilt, bei dem sich Flut und Ebbe bemerkbar machen. Auf diesen Fluss befand sich zuvor eine Brücke, da sie jedoch nun zerstört ist, setzt man mit Booten zum anderen Ufer über. Eine Seite des als Absomi bezeichneten Wassers wird Estambul genannt. Hier leben der Herrscher und die Noblen sowie das griechische Volk. Die Märkte und Straßen sind mit breiten und steinernen Platten bepflastert. Jeder Beruf und jedes Handwerk hat seinen eigenen Platz und solche Plätze werden nicht mit anderen geteilt. Jeder Markt hat Tore die nachts geschlossen werden ... Dieser Teil der Stadt befindet sich am Abhang des Hügels, der sich ins Meer erstreckt. Auf der Spitze des Hügels befinden sich eine Festung und der Palast des Kaisers. Der Hügel ist von einer sehr starken Stadtmauer umgeben. Auf diese Mauer kann niemand vom Meer her hochsteigen. Innerhalb der Mauern befinden sich in diesem Teil der Stadt annähernd dreizehn Dörfer und fünf Kirchen.

Der zweite Teil der Stadt wird Galata genannt. Hier leben die fränkischen Christen. Sie stammen von verschiedenen Nationen. Unter ihnen gibt es Genueser, Venezier, Menschen aus Rom und Frankreich. Die Herrschergewalt über diese Menschen gehört dem Kaiser von Konstantinopel. Ein von ihm beauftragter Beamter regiert diese Menschen. Sie zahlen dem Kaiser jedes Jahr Steuern. Sie rebellieren häufig und kämpfen bis der Papst vermittelt. Alle beschäftigen sich mit Handel und ihre Häfen sind die größten Häfen der Welt. „Ich habe gesehen, dass hier ca. hundert Galeonen und große Schiffe anliegen. Die kleinen Schiffe waren so viele, dass ich sie nicht zählen konnte. Die Märkte in diesem Tel der Stadt sind exzellent, jedoch ist es auch überall dreckig. Ein kleiner, sehr dreckiger Fluss fließt durch diesen Teil. Auch die Kirchen dieser Völker sind sehr widerwärtig und haben keine anziehende Seite."

İbn Batuta sagt, dass er nur das äußere der Hagia Sofia beschreiben wird, da er das Innere nicht besichtigen konnte. Das Äußere dieser „größten Kirche der Griechen“ ist von einer Wand mit dreizehn Toren umgeben. Außerdem hat sie einen Garten mit einem großen Eingang. Der arabische Reisende, der sagt: „Dieser Ort gleicht einem großen Empfangssaal“, erzählt hierauf einige unglaubliche  Dinge. Durch die Mitte dieses Gartens fließt ein Bach, der aus der Kirche kommt und zwischen zwei mit einer bewundernswerten Handwerklichkeit bearbeiteten Stegen aus adrigem Marmor dahinfließt(!). Auf beiden Seiten dieses Wasser sind in regelmäßigen Abständen Bäume aufgereiht. Vom Kirchentor bis zum Eingang des Gartens hat sich ein Dach aus sehr hohen Bäumen gebildet. Die Kronen dieser Bäume sind von Rebengewächsen überwuchert, an ihren Stämmen sind Jasmin und wohlduftende Blumen gepflanzt.

Nach İbn Batuta befinden sich außerhalb des Gartens hölzerne Bauten für Richter und Schriftbeamte und ein Gewürzmarkt. Der aus der Kirche tretende Bach teilt sich hier in zwei Arme und fließt durch diese Bereiche. Über der Tür befindet sich eine Truhe, in dem der Sage nach ein Stück des Kreuzes, an dem Jesus gekreuzigt wurde. In dieser Truhe befindet sich eine zweite Kiste. Die Flügel der Tür sind aus Gold- und Silberplatten  gemacht und die Griffe sind aus purem Gold.

İbn Batuta, der sagt, dass sich in Konstantinopel zahlreiche Klöster befinden, schreibt, dass eines davon von Circis (Georgios?), dem Vater des Kaisers, errichtet wurde und dass es außerhalb von Estambul liege. Innerhalb eines Gartens, in dem ein Bach fließt, befinden sich zwei weitere Kloster, von denen eines für Frauen und ein anderes für Männer bestimmt ist. Zu Beginn seiner Ausführungen über die Klöster macht der arabische Reisende interessante Bemerkungen: „Der größere Teil der Stadtbevölkerung besteht aus Mönchen, Theologen und Pfarrern."

İbn Batuta behauptet, dass er Circis, den Vater des jetzigen Kaisers, der das Kloster außerhalb, am Rande der Stadt gründete und auf den Thron verzichtete, um Mönch zu werden, getroffen habe, als er herum spazierte. In der Geschichte von Byzanz gibt es keinen Kaiser Namens Circis, d.h Georgios. Im XIV. Jahrhundert wurde nicht der Vater von Andronikos III., der 1334 auf dem Thron saß, gestürzt, sondern sein Großvater Andronikos II. (1282-1328); dieser gründete danach das Lips Kloster erneut. Jedoch liegt diese Anlage, dessen Kirche die heutige Fenari İsa (Kirche) Moschee in der Vatan Straße ist, nicht am Stadtrand außerhalb der Stadt. Da Andronikos II. 1332 nach seiner Mönchwerdung starb und Ibn Batuta wirklich 1334 nach Istanbul gekommen sein soll, lässt sich diese Angelegenheit diskutieren.

Da die byzantinische Prinzessin, Hatun, nicht zurückkehren wollte, verließ der arabische Reisende die Stadt mit einigen Geschenken und Gütern.6

Hamdullah el-Müstevfi (ca.1340)

Der von einer arabisch abstämmigen Familie stammende, in Kazvin geborenen und kurz nach 1340 dort auch verstorbene Hamdullah b. Ebubekr el-Müstevfi, kam nie nach Istanbul. Als ein an Cosmographie und Geographie interessierter Mensch stellte er sein Nezhetü'l Kulub betiteltes persisches Werkzusammen und beendete es 740 (1339-1340). In diesem Werk, dass aus Informationen besteht, die aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden, berichtet el-Müstevfi, dass in dieser Stadt während ihrer Belagerung durch Mesleme, dem Sohn des Omaijaden Khaliphen   Abdülmelik und Bruder des späteren Khaliphen Süleyman, von ihm Gebäude erbaut wurden und dass die Ruinen einiger dieser Gebäude noch immer vorhanden sind. Das arabische Heer hat Istanbul unter der Führung von  Mesleme (er starb 120-737-8 oder 123-740-1) im Jahre 97-99 (715-717) belagert. El-Müstevfi sagt nichts über den Zweck und den Ort dieser Gebäude.

An einer anderen Stelle des Buches befinden sich ausführliche Angaben über Istanbul: „Die Hauptstadt des fränkischen Landes Byzantion wird heute Konstantinopel genannt“. Diese Stadt wurde vom zweiten Kaiser der Römer gegründet. Diese Stadt ist bekannt als Istanbul ... Nach İbn Hurdatbih befindet sich die Stadt auf einer Halbinsel.  Sie ist von drei Seiten, d.h. im Osten, Westen und Süden vom griechischen Meer umgeben. Im Norden ist sie mit dem Kontinent verbunden. Vom Osten nach Westen hin hat die Halbinsel eine Länge von sechs persischen Meilen. Die Stadt hat eine zweifache Mauer. Von diesen hat die innere Mauer eine Höhe von 72, eine Breite von 12 Ellen und 1225 Türme. Auf jedem dieser Türme halten Mönche Wache (?). Die äußere Mauer hat eine Höhe von 42 Ellen und eine Breite (oder Stärke) von 8 Ellen.  Zwischen diesen beiden Mauern erstreckt sich ein offenes Feld mit einer Breite von 60 Ellen.

Diese Information, die El-Müstevfi von İbn Hurdatbih (ca. 890-912), einem der iranischen Autoren des  IX.-X. Jahrhunderts, zitiert, zeigen in übertrieber Art, wie stark die Stadtmauern waren. Die Bemerkung, dass Mönche auf den Türmen Wache hielten, könnte, falls dies keine falsche Übersetzung oder kein Missverständnis ist, so verstanden werden, dass manchmal Mönche in den oberen Stockwerken der Mauertürme übernachteten. So kann dies bis zu einem gewissen Grad auf die Tatsache gestützt werden, dass  sich auf den Wänden in den oberen Räumen Fresken mit religiösen Bildern befinden.

Gemäß den Schriften von El-Müstevfi befindet sich in der Stadt eine Kirche mit Namen Petrus und Paulus. Ihre Länge ist 300 Ellen und Breite 200 Ellen.
Ihre Höhe beträgt 100 Ellen. Ihr Dach ist mit Messingplatten bedeckt. Diese bedecken ebenfalls die vorderen Wände innerhalb der Kirche  (?). In der Stadt befindet sich außerdem eine als heiliges Haus bezeichnete Kirche. Hier gibt es einen Altar. In seiner Nähe befindet sich ein Thron, der grün wie ein Smaragd ist. Er ist 24 Ellen lang und 6 Ellen breit und ist mit der vorderen Wand des Tempels verbunden. Rundherum, d.h. auf der Wand befinden sich Bilder von Jesus, seiner Mutter Maria und den 12 Apostel. Alle Bilder sind aus purem Gold und jedes Bild hat eine Höhe von zweieinhalb  Ellen. Die Augen sind aus Rubinen. Diese Kirche hat 28 vergoldete Tore. Ca. tausend Gewichte Messing und Kupfer wurden verwendet; außerdem wurden Materialien wie Elfenbein, Ebenholz, Sandelbaum und Teakbäume sowie zahlreiche andere Materialien verwendet. Die Stadt besitzt zahlreiche Häuser, mehr als vier tausend Bäder (!) und eine diesen Zahlen entsprechende Anzahl von Kirchen.

Auch wenn El-Müstevfis alte Beschreibung Istanbuls aus den Schriften älterer Autoren zusammengestellt wurde, gibt sie keine klaren Informationen über die Stadt. Die eine Kirche, welche wohl die Hagia Sofia ist, beschreibenden Zeilen bestehen nur aus übertreibenden Worten. Dies reicht nicht darüber hinaus, die blendende Pracht der alten Byzantiner aufzuzeigen. Der Text, den wir hier zu vermitteln versuchen, stützt sich auf eine Jahre zuvor von   Guy Le Strange gemachte Übersetzung. Um eindeutigere Informationen zu erhalten, verweisen wir darauf hin, dass dieser Abschnitt aus dem persischen Text übersetzt werden sollte 7.

Siraceddin Ebu Hafs Ömer İbn el-Verdi (ca 1450)

Soweit verständlich wird, kam Siraceddin İbn el-Verdi nie nach Istanbul und verfasste sein Geographie -und Cosmographiewerk (hey'et ilmi) in den Eroberungsjahren, d.h. ungefähr  Mitte des XV. Jahrhunderts durch Zusammenstellung aus den Werken früherer Autoren. Dieses Buch mit dem Namen Haridat al-Acaib und Faridat al-Garaib wurde den Bemerkungen von F. Taeschner zufolge mehrmals ins Türkische übersetzt. Unter diesen Übersetzungen ist die von Ali b. Abdurrahman am bemerkenswertesten, da sie vom eigentlichen Text abweicht. Ali b. Abdurrahmans Übersetzung mit dem Titel Acaibul'l Mahlukat weist Ähnlichkeiten mit dem gleichnamigen Werk von Kazvini auf. Eine 1099 (1687-88) gemachte Abschrift dieser Übersetzung befindet sich unter den Handschriften in der Bibliothek der Universität Istanbul  (nu: 2397). Taeschner vertritt die Ansicht, dass die Übersetzung in den Jahren vor der Eroberung Istanbuls in Bursa gemacht wurde.

Nachdem er Konstantinopel als die „berühmteste Stadt der Römer” vorgestellt und darauf hingewiesen hat, dass die Stadt eine Dreiecksform besitzt, deren zwei Seiten mit dem Meer und eine Seite mit dem Land verbunden ist, bemerkt er, dass sich auf dieser Seite das als Bab ez Zeheb bezeichnete Goldene Tor befindet. Nach İbn el-Verdi sind die Mauern um die Stadt herum neun Meilen lang. Die Stadtmauern sind 21 Ellen hoch. Jedoch befindet sich vor dieser Mauer eine zehn Ellen hohe vordere Stadtmauer. Diese Mauern haben mehr als hundert Tore. Ihr Stil ist Babu'l Musanemat.

In der Stadt befindet sich ein Palast, der zu den größten Wundern der Welt zählt. An diesen grenzt ein als Babidun bezeichneter Ort. In unserer folgenden Beschreibung nehmen wir an, dass dies das Hippodrom ist. An diesem Ort, der eigentlich der Vorgarten des Großen Palastes sein muss, befinden sich zwei Reihen mit einzigartiger Kunstfertigkeit aus Bronze gegossene Menschen-, Pferde-, Elefantenstauen und Figuren von anderen Raubtieren. Diese sind grösser als die wirklichen Maße eines Menschen.

Hiernach gibt İbn el-Verdi einige Informationen, deren Verbindung zur Wirklichkeit nicht nachgewiesen werden können. Nachdem er bemerkt, dass um den Palast herum noch mehr solcher verwunderlicher Dinge zu finden sind, schreibt er, dass sich in der Stadt ein mit Eisen und Blei verstärktes Denkmal befindet und dass dieses Denkmal, das er als manara (d.h. Minarett) bezeichnet, sich gemäß der Richtung, aus der der Wind weht, neigt und dass das Volk Ziegelsteine unter das Fundament legt und zusieht, wie diese zerquetscht werden und sich in Staub auflösen.

Nach El-Verdi gibt es in der Stadt ein anderes Denkmal, welches ganz aus Bronze ist und aus einem Stück gearbeitet wurde. Der arabische Autor, der bemerkt, dass eine andere in der Stadt befindliche manara mit dem Krankenhaus benachbart ist, weist darauf hin, dass diese eine wie Gold erscheinen Farbe hat und mit Bronze überzogen ist. Auf diesem befindet sich das Grab von Konstantin, dem Gründer Konstantinopels. Das auf dem Grab befindliche Bildnis des Konstantins ist zu Pferde. Die Füße des Pferdes sind durch Blei mit dem Fundament fest verbunden. Nur der recht vordere Fuß des Pferdes schreitet in die Leere. Die Innenfläche der ins Land der Moslems weisenden rechten Hand ist offen. In der linken Hand hält er einen Globus. Es ist möglich, dieses Denkmal vom Meer her von einem Tagesabstand und vom Land her von einem halben Tagesabstand zu sehen. Der Sage nach ist der Globus in der rechten Hand des Kaisers ein diesen Ort schützender Talisman. Auf dem Globus steht in griechischer Sprache “Ich habe die Welt besessen, solange sich dieser Globus in meiner Hand befand; nun jedoch trenne ich mich von der Welt ohne irgendeinen Besitz”.

Nach El-Verdi befindet sich auf einem Platz in der Stadt noch ein ganz aus weißem Marmor errichtetes „Minarett”. Sein Körper ist von Oben bis Unten mit Reliefs überzogen. Sein oberes Geländer ist aus massiver Bronze gegossen. Dies ist ebelfalls ein Talisman. Besteigt man diesen Turm, so kann man die ganze Stadt überblicken.

Am Ende der kurzen Beschreibung von Istanbul spricht der arabische Autor von einer „gantara". Diese „Brücke”, die seiner Ansicht nach eines der Weltwunder ist, ist so lang, dass es unmöglich ist, sie ohne Übertreibungen zu beschreiben. El-Verdi schließt seine Beschreibung, indem er sagt dass es „in dieser Stadt noch viele unbeschreibliche Wunder gibt".8

FUSSNOTEN

1- Haçlı seferi ile gelen batılıların gördükleri İstanbul, Dünya Kenti İstanbul, İstanbul 1996, s. 12-21 (Türkisch und Englisch).

2- A. A. Vasiliev, "Haroun-ibn-Yahya and Description of Constantinople", Seminarium Kontakovianum, V. (Prag 1932), s. 154-162; G. Ostrogorsky, Zum Reisebericht des Haroun-ibn-Jahja". Monatl. Zeitschrift, V, (1932), s. 254 u.f.; M. İzeddin, "Un prisonner Arabe a Byzance au IX e siecle: Haroun-ibn-Yahya," Revue des Etudes Islamiques, 1941-1946 (Edition 1947), s. 41-62. Ausserdem siehe. J.P.A. van de Vrin, Travellers to Greece and Constantinople, Istanbul 1980, II, s. 487-494.

3- Maçoudi-Les Prairies d'Or, (Yay. ve çev. Barbier de Meynard - Pavet de Courteille), Paris 1861, I, s. 261 und II, s. 311, 317-320.; über sein leben siehe. C. Brockelmann, İslam Ansiklopedisi, VIII, s. 144-145; Van de Vrin, Travellers, II, s. 500.

4- Ch. Schefer, "Indications Sur Les Lieux de Pelerinage Archives de L'orient Latin, I (1881) s. 587-609;A. A. Vasiliev, "Les Voyageurs du Moyen Age a Constantinople", in diesem Werk: Melanges Charles Diehl, Paris 1930, I, s. 294 u.f.; über sein Leben in Kurzfassung siehe C. E. Seybold, İslam Ansiklopedisi, V'2, s. 936-937; Van de vrin, Travellers, II, s. 534-537.

5- İdrisi, Geographie d'Edrisi, (Übers. P. A. Jaubert) Paris 1836-1840, II, s. 298-299; Faksimile Islamic Geography, III, Frankfurt a. M. 1992. über sein Leben in Kurzfassung siehe İbrahim Kafesoğlu, İslam Ansiklopedisi, V-2, s. 708-711; außerdem siehe. Van de Vrin, Travellers, II, s. 523-526.

6- Les Voyages d'Ibn Battoutah, (Çev. C. Defremery-B. R. Sanguinetti), Paris 1853-1858, II, s. 412 vd.; Faksimile Paris 1968; Voyages, (çev. St. Yerasimos), Paris 1982; Eng. The Travels of Ibn Batuta (Çev. H. A. Gibb), London 1958, andere Editionen vorhanden. Van de Vrin, Travellers II, s. 567-573. Vor vielen Jahren von Mehmed Şerif Paşa übersetzt, Seyahatname-i İbn Battuta, İstanbul 1333, Index außerdem in 1338 veröffentlicht. Es gibt auch eine verkürzte, in neuer Schrift gedruckte Fassung dieses Reiseberichts.

7- Zeki Velidi Togan, "Hamdullah Mustevfi", İslam Ansiklopedisi, V'1, s. 186-188; Abdülkerim Özaydın, Hamdullah el-Müstevfi, Diyanet Vakfı İslam Ansiklopedisi, XV, s. 454-455; G. Le Strange (Übers.), The Geographical Part of Nuzhat al-Qulub (E:J:W: Gibb, Memorial Series, XXIII' 1 ve 2, Leiden-London 1915-1919, s. 247 ve 263; neues Faksimile, Frankfurt 1993.

8- Das Werk von el-Verdi'nin wurde 1206, 1324 und 1328 in Kairo veröffentlicht. Zu seine die Beschreibungen über Istanbul siehe. F. Taeschner, "Der Bericht des arabischen Geographen İbn al-Wardi über Konstantinopel", Beitrage zur historischen Geographie, Kulturgeographie, Etnographie und Kartogeographic vornehmlich des Orients-Festschrift E. Oberhummer, Leipzig-Wien 1929, s. 84 u.f.; derselbe Autor, "Ein altosmanischer Bericht über das vorosmanische Konstantinopel" Annali del R. Istituto Superiore Orientale di Napoli, neue Reihe I (Rom 1940) s. 181-189. Ausserdem siehe Van de Vrin, Travellers, II, s.


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